Michael Scherrer
Er analysiert die Gegner des FC Aarau
Referent Dr. Heinz Rüegger, Theologe, Ethiker und Gerontologe, und Heidi Niedermann, Präsidentin des organisierenden Vereins Alterszentrum Suhrhard.
Bild: Olivier Diethelm
Das Alter ist reich an Chancen und Potenzial, birgt aber auch Herausforderungen und Zumutungen. Wie psychische Gesundheit, Sinnfindung und Lebenszufriedenheit im Alter gestärkt werden können, verriet Dr. Heinz Rüegger in seinem spannenden und unterhaltsamen Vortrag über die Lebenskunst des Alter(n)s.
Buchs Am Donnerstag, 19. März, fand im Holzachersaal des Alterszentrums Suhrhard in Buchs ein gut besuchter öffentlicher Vortrag zum Thema «Lebenskunst des Alter(n)s» statt. Heidi Niedermann, Präsidentin des organisierenden Vereins Alterszentrum Suhrhard, begrüsste die zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer.
Als Referent konnte Dr. Heinz Rüegger, Theologe, Ethiker und Gerontologe (Altersforscher), gewonnen werden. Im Zentrum seines Vortrags stand die Frage, wie psychische Gesundheit und Wohlbefinden im Alter gefördert werden können.
Rüegger stellte seine Ausführungen unter den Leitgedanken der «Lebenskunst»: die Fähigkeit, so älter zu werden, dass das Leben bejaht werden kann und Freude bereitet. Dabei ging er zunächst auf zwei gesellschaftliche Megatrends ein, die das heutige Altersbild stark prägen: «Longevity» und «Anti-Aging».
Der Longevity-Trend zielt darauf ab, das Leben durch medizinische, pharmakologische sowie gesundheits- und ernährungsorientierte Massnahmen deutlich zu verlängern. Eine Lebensspanne von weit über 100 Jahren erscheint dabei als erstrebenswertes Ziel. Dieser Ansatz ist eng verbunden mit einem stark wachsenden Markt mit vielen Start-Ups und grossen wirtschaftlichen Interessen.
Demgegenüber steht der Anti-Aging-Trend, der weniger auf ein längeres Leben als vielmehr auf das Vermeiden des Alterns selbst ausgerichtet ist. Mithilfe eines bunten Mixes aus Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Fitness, Wellness und teils auch esoterischen Methoden soll das Altern verlangsamt, kaschiert oder ganz verhindert werden.
Beide Trends spiegeln eine verbreitete Haltung wider: möglichst lange leben zu wollen, ohne alt zu werden. Pointiert wird dies durch Aussagen aus Kultur und Gesellschaft, die zeigen, dass Altern zwar akzeptiert, aber ungern gesehen wird.
Die moderne Gerontologie vertritt hingegen einen anderen Ansatz, das sogenannte «Pro-Aging». Dieser versteht Altern als natürlichen, lebenslangen Entwicklungsprozess, der sowohl Verluste als auch Zugewinne mit sich bringt. Jede Lebensphase habe ihre eigenen Herausforderungen und Chancen. Entscheidend sei, sich auf diesen Prozess einzulassen, anstatt ihn verdrängen zu wollen.
Während das Älterwerden an sich unvermeidbar ist, hängt die Art und Weise des Alterns wesentlich von der eigenen Haltung und Lebensgestaltung ab.
Rüegger formulierte neun Anregungen für ein erfülltes und psychisch gesundes Leben im Alter. Erstens betonte er die Bedeutung kreativer Tätigkeiten. Besonders zwischen 65 und 85 Jahren verfügten viele Menschen über Zeit, Erfahrung und Ressourcen, um Hobbys zu pflegen oder sich sinnvoll für andere einzusetzen, etwa in Familie, Vereinen oder Freiwilligenarbeit, was für eine tiefe Zufriedenheit sorge.
Zweitens empfahl er, offen für neue Erfahrungen zu bleiben und bewusst Neues zu lernen, was geistig aktiv hält und den Horizont erweitert. Er selber habe nach der Pensionierung kochen gelernt und angefangen, Unterricht in klassischer Gitarre zu nehmen.
Drittens hob er hervor, wie wichtig es ist, Fremdes zuzulassen und mit Offenheit sowie Toleranz auf Veränderungen zu reagieren – für andere, auch Jüngere also «geniessbar» zu bleiben.
Viertens unterstrich er die Pflege sozialer Kontakte, da Beziehungen im Alter oft abnehmen, jedoch entscheidend für das Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn bleiben.
Fünftens plädierte er für einen Ausgleich zur Aktivität durch Musse und bewusstes Innehalten, um das Leben achtsam zu geniessen.
Sechstens sei es wichtig, altersbedingte Einschränkungen zu akzeptieren und sich auf das zu konzentrieren, was weiterhin möglich ist (das Glas halbvoll zu sehen).
Siebtens gehe es darum, Widerstandskraft gegenüber Krisen, Krankheit und Verlusten zu entwickeln und falls nötig Unterstützung anzunehmen.
Achtens empfahl Rüegger, sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen und entsprechende Vorsorge zu treffen. Dies könne helfen, die verbleibende Zeit bewusster zu leben.
Neuntens schliesslich ermutigte er dazu, das eigene Leben insgesamt zu bejahen – mit allen Höhen und Tiefen – und sich selbst mit Würde anzunehmen.
Als Fazit hielt Rüegger fest, dass die Kunst des Älterwerdens darin besteht, den Prozess anzunehmen und aktiv zu gestalten, statt gegen ihn anzukämpfen. Wer dies schafft, kann auch im Alter Lebensfreude, Sinn und psychisches Wohlbefinden erfahren.
>>> Wer noch detaillierter in die «Lebenskunst des Alterns» eintauchen möchte, dem sei das gleichnamige Buch von Dr. Heinz Rüegger empfohlen (ISBN 978-3-290-18531-2).
Von Olivier Diethelm
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