Beat Wormstetter
spielt Titus Fuchs in der Tragikomödie "FUCHS.Ein Absturz.Ein Coup" im Spitel Küttigen
Am 20. September fand die letzte Leset unter Federführung der Ortsbürger Rebbau-Vereinigung statt. zvg
Nach über sieben Jahrzehnten endet ein Stück Lenzburger Weingeschichte: Die Ortsbürger-Rebbauern-Vereinigung zieht sich aus der Bewirtschaftung der Rebparzelle am Schlossberg zurück. Ab 2026 übernimmt die Mosti Furer aus Staufen.
Lenzburg «Der Entscheid, die Pacht zurückzugeben, ist uns nicht leichtgefallen», schreibt Corin Ballhaus, Präsidentin der Ortsbürger Reb-bauern-Vereinigung Lenzburg, auf Anfrage. Nach 75 Jahren gibt die Vereinigung die Bewirtschaftung der Rebparzelle am Schlossberg auf. Zwar erbringe der Rebberg mit seinen alten Blauburgunderstöcken nach wie vor respektable Erträge – zuletzt 2,3 Tonnen mit 92/93 Oechslegraden. Doch die Anlage sei in die Jahre gekommen: morsche Holzpfäle, veraltete Drahtsysteme, fehlende Ersatzteile.
«Eine Erneuerung wäre ein komplexes Generationenprojekt geworden – mit hohen Kosten, jahrelangem Ertragsausfall und Anforderungen, die wir als Milizorganisation nicht hätten stemmen können», so Ballhaus. Denn die neue Bau- und Nutzungsordnung sowie ein dazugehöriger Planungsbericht hätten die Vereinigung dazu gezwungen, neue Rebsorten zu verwenden, mit denen sie keinerlei Erfahrung hat.
Aufgrund der kleinen Fläche von 40 Aren hätte damit die gesamte Anlage auf einen Schlag erneuert werden müssen, womit die Vereinigung Gefahr gelaufen wäre, in schlechten Jahren die Mindestmenge für das externe Keltern nicht zu erreichen. «Unsere Vereinskasse, die in guten Rebjahren mit einer schwarzen Null abschliesst, lässt wenig Spielraum für die Bildung von Rücklagen für Projekte dieser Dimension», erklärt die Präsidentin.
Erschwerend hinzu kommen personelle Sorgen: Zwei Schlüsselpersonen – Obmann Werner Volkmar und Spritzmeister Frank Polana – treten Ende 2025 zurück. Ersatz zu finden, sei für eine einzige verbleibende Saison unrealistisch gewesen. Deshalb habe man dem Stadtrat vorgeschlagen, die Pacht schon per 1. Januar 2026 zurückzugeben, obwohl der Pachtvertrag noch bis Ende Oktober 2026 bestanden hätte.
Die Stadt setzte daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, in der auch die Rebbauern-Vereinigung vertreten war. Nach einem Evaluationsverfahren empfahlen verschiedene Gremien der Findungskommission, die Pacht an die Mosti Furer zu vergeben, wie die Stadt in einer Medienmitteilung schreibt. Der Stadtrat folgte demnach dieser Empfehlung und beschloss, den neuen Pachtvertrag ab 2026 in Kraft zu setzen. Barbara und Pascal Furer-Hartmann bewirtschaften bereits rund 2,5 Hektaren Reben am Staufberg, in Auenstein und Schinznach. Neben Wein produzieren sie auch Saft und Essig. Mit der neuen Fläche am Schlossberg können sie ihr Sortiment erweitern – und die traditionsreiche Lage bleibt weiterhin gepflegt.
Für die Ortsbürger Rebbauern-Vereinigung bedeutet dies Abschied, aber nicht ein sofortiges Ende. Bis mindestens Ende 2026 wird sie noch den letzten Jahrgang vermarkten. Über die Zukunft der Vereinigung, so Corin Ballhaus, entscheidet die Generalversammlung 2026: Entweder eine Auflösung – oder ein neuer Vereinszweck, etwa die Fortführung von Weinreisen oder traditionellen Anlässen wie dem «Suppe-mit-Spatz»-Essen.
Trotz Wehmut überwiege die Zufriedenheit, sagt die Präsidentin schliesslich: «Wir sind stolz, dass wir den Rebberg über Jahrzehnte auf Freiwilligenbasis pflegen konnten.» Die Mosti Furer habe zudem zugesichert, die «Räblüs» – wie die freiwilligen Helferinnen und Helfer liebevoll genannt werden –, welche sich weiter engagieren möchten, in die Arbeiten im Rebberg miteinzubinden.
Von Adrian Oberer
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