Ramona Härdi
Die Olympionikin wurde in Möriken-Wildegg feierlich empfangen.
Tieren ein liebevolles und artgerechtes Leben ermöglichen: Dieses Ziel verfolgt das Tierheim Böhler. Im Interview stellt dessen Leiterin Anita Gasser das Tierheim vor und erklärt, worauf künftige Halter bei der Adoption eines Heimtieres achten müssen.
Seit wann gibt es das Tierheim Böhler und wie ist es entstanden?
Das Tierheim Böhler wurde 1985 gegründet und 2012 von der Hedinger-Knuchel-Stiftung übernommen. Ziel der Stiftung ist es, Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen und Aufklärungsarbeit im Bereich Tierschutz zu leisten. Sie unterstützt regionale Tierheime und fördert Projekte zum Erhalt bedrohter Tierarten.
Mit viel Engagement, Herzblut und Fachwissen kümmern wir uns um Tiere in Not ebenso wie um Feriengäste – sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Wir gehen auf die individuellen Bedürfnisse jedes Tieres ein, fördern gezielt ihr Wohlbefinden und legen grossen Wert auf Professionalität und Weiterbildung. Neben Pflege und Betreuung ist auch die erfolgreiche Vermittlung heimatloser Tiere ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Für wie viele Tiere bietet das Tierheim Platz?
Jährlich finden rund 70 Katzen und Hunde Zuflucht bei uns, die ein neues Zuhause suchen. Zudem beherbergen wir ältere Tiere in unserem Tieraltersheim, wo sie liebevoll durch ihren letzten Lebensabschnitt begleitet werden. Wir können maximal 40 Katzen aufnehmen. Bei Hunden variiert die Kapazität je nach Grösse – von 29 grossen Hunden über 45 kg bis zu 78 kleinen bis 20 kg.
Wie gross ist das Team, das sich um die Tiere kümmert?
Zurzeit sorgen 13 engagierte Personen für das Wohl unserer Schützlinge: sieben ausgebildete Tierpflegerinnen und -pfleger (darunter eine Hundecoiffeuse), vier Auszubildende sowie zwei Tiertherapeutinnen bzw. eine Osteopathin.
Nehmen Sie auch andere Tiere auf als Katzen und Hunde?
Grundsätzlich sind wir auf Katzen und Hunde spezialisiert. In Ausnahmefällen haben wir auch schon andere Tiere aufgenommen, wenn dringend ein Platz benötigt wurde – etwa Schildkröten oder Meerschweinchen. Für die Lehrlingsausbildung halten wir zudem eigene Zwergkaninchen, Meerschweinchen, Farbmäuse und Wellensittiche. Für Wildtiere sind wir nicht eingerichtet, ebenso wenig für Reptilien ausser Schildkröten.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Alltag am meisten?
Viele Menschen informieren sich vor der Anschaffung eines Tieres zu wenig über dessen Bedürfnisse. Auch fehlt oft das Verständnis, dass ein Tierheimtier nicht gratis abgegeben wird und wir Fragen zum künftigen Zuhause stellen müssen. Am schwersten fällt uns der Abschied von unseren Schützlingen, wenn wir den Kampf gegen Krankheit oder Alter verlieren. Jedes Tier hinterlässt tiefe Spuren in unseren Herzen. Zum Gedenken haben wir einen «Tierlibaum» – eine Kornelkirsche – gepflanzt, unter dem die Asche unserer Tiere beigesetzt wird.
Was müssen Interessenten bei einer Adoption beachten?
Künftige Tierhalter sollten gut vorbereitet sein und sicherstellen, dass sie den Bedürfnissen und dem Charakter des Tieres gerecht werden können. Notwendige Bewilligungen, etwa vom Vermieter, müssen vorliegen, und in der Eingewöhnungszeit sollte kein Urlaub geplant sein. Ein Tier braucht Zeit und Ruhe, um im neuen Zuhause anzukommen.
Gibt es Tiere, die Sie nicht mehr vermitteln?
Ja. Dazu gehören ältere oder gesundheitlich angeschlagene Tiere, für die ein Umzug zu belastend wäre, sowie Tiere, die nur zu uns Vertrauen fassen und sich bei Fremden schwertun. Auch Tiere, die keine Chance auf eine Vermittlung mehr haben, dürfen bei uns bleiben und finden hier ihr Zuhause.
Was sollten Halter beachten, wenn sie ihre Tiere in die Ferienbetreuung geben möchten?
Bei uns leben Hunde ausschliesslich in Gruppenhaltung. Darum laden wir jeden Hund vor dem Aufenthalt zu einem kostenlosen Probetag ein, um sicherzustellen, dass er sich wohlfühlt. Auch Katzen wohnen in Gruppen – ein separates Ferienzimmer steht zur Verfügung. Alle Tiere müssen regelmässig geimpft sein, unabhängig vom Alter. Besonders während der Schulferien ist eine frühzeitige Reservation wichtig, da wir schnell ausgebucht sind.
Welche weiteren Dienstleistungen bieten Sie an?
Unsere ausgebildete Hundecoiffeuse bietet ein individuelles Pflegeprogramm – vom Baden und Kämmen bis zum Haarschnitt und zur Ohrenreinigung. Zudem stehen unsere Tiertherapeutinnen und die Osteopathin sowohl Tierheimbewohnern als auch externen Tieren zur Verfügung. Sie behandeln Probleme am Bewegungsapparat, unterstützen die Rehabilitation und fördern den Aufbau von Welpen und Sporthunden – bei uns im Tierheim oder direkt beim Tierhalter zuhause.
Wie können Menschen das Tierheim unterstützen, auch ohne selbst ein Tier aufzunehmen?
Besonders unsere Seniorentiere verursachen hohe Therapiekosten. Jeder Rappen hilft uns, diese Versorgung sicherzustellen. Auch Futter- und Materialspenden sind sehr willkommen – insbesondere Katzenfutter, da der Bedarf hier besonders gross ist. Je vielfältiger das Futterangebot, desto besser können wir auf die individuellen Vorlieben jedes Stubentigers eingehen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Tierheim Böhler?
Mein grösster Wunsch ist es, vielen Tieren weiterhin ein liebevolles Zuhause zu schenken und das Bewusstsein dafür zu stärken, wie wertvoll jedes einzelne Leben ist. Mit Empathie, Geduld und echter Zuneigung können wir erreichen, dass Tiere nicht nur versorgt, sondern wirklich gesehen und geliebt werden.
Interview: Adrian Oberer
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