Yvette Körber
Frau Gemeineammann von Oberentfelden im Interview
Heinz Pfluger. Bild: zvg
Seit über einem Jahrzehnt prägt Heinz Pfluger die Politik von Erlinsbach AG. Im Interview spricht er über seine Motivation für das Amt, die abgelehnte Steuerfusserhöhung und die Herausforderungen, die in den kommenden Monaten auf die Gemeinde zukommen.
Heinz Pfluger, Sie engagieren sich schon seit über einem Jahrzehnt für die Gemeinde, sei es im Gemeinderat oder als Gemeindepräsident. Was motiviert Sie nach all den Jahren, sich weiterhin für die Gemeinde einzusetzen?
Ich wohne mit meiner Familie schon seit über 30 Jahren in der Gemeinde Erlinsbach AG und habe über all die Jahre die Lebensqualität in unserem Dorf sehr schätzen gelernt, insbesondere die gute Infrastruktur, die Nähe zur Natur, die guten Einkaufsmöglichkeiten, aber vor allem die Möglichkeiten der vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten und sozialen Kontakte. Das Gemeindewohl liegt mir am Herzen. Das politische Interesse, die gute Zusammenarbeit mit engagierten Menschen aus der Verwaltung, den Kommissionen und dem Gemeinderat, sowie das spürbare Vertrauen aus der Bevölkerung sind für mich nach wie vor eine grosse Motivation, dieses Amt weiterhin für ein lebenswertes Erlinsbach AG mit Einsatz und Verantwortung auszuüben.
Die Zusammensetzung des Gemeinderates ist seit Jahren stabil. Dies änderte sich auch bei den diesjährigen Wahlen nicht: Der Gemeinderat stellte sich dieses Jahr geschlossen zur Wiederwahl und wurde bestätigt. Was ist das «Erfolgsrezept»?
Ja, das ist eine gute Frage. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht. Ich denke es liegt aus meiner Sicht in der Kontinuität, Dankbarkeit und Wertschätzung, einer nachhaltigen, guten Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Partnern Gemeinde, Politik und Bevölkerung.
Weniger harmonisch gestaltete sich die Gemeindeversammlung, an welcher der Gemeinderat eine Erhöhung des Steuerfusses um vier Prozentpunkte – von 89 % auf 93 % beantragte. Diese wurde klar abgelehnt. Warum ist die Erhöhung aus Sicht des Gemeinderates notwendig?
Die Finanzplanung einer Gemeinde ist und bleibt eine grosse Herausforderung. Sie erfolgt rollend und hängt von verschiedenen von Jahr zu Jahr sich verändernden Faktoren ab. Die damalige finanzpolitische Ausgangslage und die anstehenden, grossen Investitionen in verschiedenen Bereichen führten dazu, dass der Gemeinderat in Zusammenarbeit mit der Finanzkommission zum Entschluss gelangte, eine Erhöhung des Steuerfusses zu beantragen. Der demokratische Entscheid der Gemeindeversammlung als oberstes Organ der Gemeinde ist zu akzeptieren. Aufgrund der finanzpolitischen Lage und verschiedener weiterer Entwicklungen bleibt der Steuerfuss ein jährlich wiederkehrendes, zentrales Thema.
Tritt ein Auswärtiger ins Fettnäpfchen, wenn dieser «nur» von Erlinsbach spricht, ohne die Gemeinden zu unterscheiden?
Das kommt natürlich drauf an, in welchem Zusammenhang diese Person über Erlinsbach spricht. Wer sich, warum auch immer, mit den beiden Gemeinden auseinandersetzt, erkennt schnell die Abgrenzungen und Unterschiede, weshalb es selten vorkommt, dass sich jemand ins Fettnäpfchen setzt. Sollte es dennoch so sein, kann schnell und klar Aufklärung geleistet werden.
Auf welche Ereignisse und Projekte vom letzten Jahr schauen Sie sonst besonders gerne zurück?
Im Vordergrund stehen die umgesetzten Handlungsempfehlungen aus einer durchgeführten externen Organisationsanalyse. In Begleitung eines externen Büros und dem Team der Gemeindeverwaltung wie auch weiteren Gemeindeangestellten konnten in einem äusserst produktiven und partizipativen Prozess die meisten der evaluierten Handlungsempfehlungen angepasst und umgesetzt werden.
Dabei steht im Vordergrund die Einführung der Geschäftsleitung als Führungsstruktur der Gemeindeverwaltung Erlinsbach AG. Wir sind überzeugt, dass die Gemeinde Erlinsbach AG mit der Umsetzung der Handlungsempfehlungen im Besonderen aber dank der neuen Geschäftsleitung bestens für die derzeitigen und kommenden Herausforderungen aufgestellt ist und somit dem Anspruch als Dienstleister für unsere Gemeinde und zum Wohle der Bevölkerung vollumfänglich gerecht wird.
Was steht im kommenden Jahr an?
Der Prozess der Einführung der neuen Führungsstruktur und die damit verbundenen, neu definierten Handlungskompetenzen zwischen der Geschäftsleitung und dem Gemeinderat gilt es weiterhin aufmerksam zu begleiten. Das damit verbundene Ziel des Gemeinderates, operative Aufgaben abzugeben und dadurch Ressourcen für strategische Aufgaben zu schaffen, stellt in den kommenden Wochen und Monaten eine weitere Herausforderung dar. Daneben gilt es die bereits angelaufenen Geschäfte wie die Revision der Bau- und Nutzungsordnung wie auch die Bauprojekte im Schulbereich und weitere anstehende Infrastrukturprojekte und Vorhaben umzusetzen. Schlussendlich ist es uns wichtig, dass wir auch in Zukunft für unsere Bevölkerung einen qualitativ hohen Service public leisten können.
Sie haben das letzte Wort.
Als stolzer Gemeindepräsident der Gemeinde Erlinsbach AG freue ich mich auf einen weiterhin guten und respektvollen Umgang, auf viele gute Gespräche und Kontakte und auf ein hoffentlich weiterhin gutes Zusammenleben in unserer lebenswerten Gemeinde.
Interview: Joel Dreier
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