Ramona Härdi
Die Olympionikin wurde in Möriken-Wildegg feierlich empfangen.
Das Team Tirinzoni vom Curling Club Aarau ist top vorbereitet und freut sich auf die Olympischen Winterspiele (v. l.): Selina Witschonke, Carole Howald, Alina Pätz und Silvana Tirinzoni.
Bild: Olivier Diethelm
Nach einigen Europa- und Weltmeistertiteln sowie zahlreichen gewonnenen Grand-Slam-Turnieren wäre eine olympische Medaille für das Team Tirinzoni vom Curling Club Aarau die Krönung seines sportlichen Erfolges. Das Team ist bestens vorbereitet und freut sich auf die kommenden zwei Wochen an den Olympischen Winterspielen in Italien.
Aarau Am Freitag, 6. Februar, starten in Italien die Olympischen Winterspiele (Milano Cortina 2026), die bis am 22. Februar dauern. Vom Curling Club Aarau mit dabei ist auch das Team Tirinzoni, bestehend aus Alina Pätz, Carole Howald, Selina Witschonke und Teamleiterin Silvana Tirinzoni. Das Aarauer Erfolgsteam kommt am Donnerstag, 12. Februar, im Curling-Olympiastadion Cortina beim Spiel gegen das Gastgeberland Italien zum ersten Einsatz.
Curling fasziniere Silvana Tirinzoni durch seine Vielschichtigkeit. Für sie sei es die einzigartige Kombination aus mentaler Stärke, taktischem Geschick sowie physischem und technischem Können, die diesen Sport so besonders mache. In allen Bereichen müsse auf höchstem Niveau trainiert werden, und gerade das Streben, sich ständig weiterzuentwickeln, mache Curling auch nach vielen Jahren des Spielens nie langweilig.
Besonders reizvoll sei zudem, dass kein Spiel dem anderen gleiche: Unterschiedliche Winkel, wechselnde Eisbedingungen und sich verändernde Spuren während eines Matches erfordern höchste Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit. Jeder Tag auf dem Eis sei anders und jedes Mal wieder eine neue und spannende Herausforderung.
Das aktuelle Team besteht seit drei Jahren in dieser Besetzung. Mit Alina Pätz spielt Tirinzoni bereits seit acht Jahren zusammen, mit Carole Howald seit vier Jahren. Das Erfolgsgeheimnis des Teams sieht sie in der gelungenen Mischung aus grosser Erfahrung und hohem eigenen Anspruch. Das Team sei sehr konstant, weil es sowohl aus Siegen als auch aus Niederlagen seine Lehren ziehen könne.
Ebenso wichtig sei der starke Zusammenhalt. «Wir verstehen uns auch neben dem Eis bestens und jede kann sich auf die andere verlassen. Wir unterstützen einander und wachsen gemeinsam, sportlich wie auch menschlich», fügt die Teamleiterin an.
Neben dem intensiven Curling-Training absolviert das Team ein anspruchsvolles, klar strukturiertes Fitnessprogramm. An der bewährten Saisonplanung wurde bewusst nichts verändert. Die Anzahl Turniere und der Trainingsaufbau hätten sich über Jahre als erfolgreich erwiesen, weshalb man auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele bei diesem Rezept geblieben sei, konstatiert Tirinzoni.
Für Entspannung sorgen während Turnieren bewusste Rückzugsphasen, etwa mit einem Film oder beim Joggen. Im Sommer pflegt jede Spielerin eigene Hobbys, Tirinzoni spielt beispielsweise gerne Golf. Auch gemeinsames Sightseeing an den Tunierorten gehört gelegentlich dazu.
Curling ist für das Team grösstenteils ein Vollzeitjob. Während Alina Pätz noch teilweise für Swiss Olympic arbeitet, leben Silvana Tirinzoni, Selina Witschonke und Carole Howald vollständig vom Curling. Die vielen Reisen und Turniere machen es schwierig, noch einer zusätzlichen beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
In Sachen Medienpräsenz unterscheiden sich die Olympischen Spiele deutlich von einer Weltmeisterschaft. Während bei einer WM vor allem Curling-Fans zuschauen, ist die mediale Aufmerksamkeit an Olympischen Spielen um ein Vielfaches grösser. Das Interesse eines breiten Publikums und die Vielzahl an Interviews erhöhen den Druck. Am Ende setze sich jenes Team durch, das mit diesen zusätzlichen Faktoren am besten umgehen könne.
Mit dem Druck geht das Team bewusst um. Die Spielerinnen unterstützen sich gegenseitig, bleiben sich selbst treu und vertrauen auf ihre intensive Vorbereitung. Nervosität sei auch für erfahrene Athletinnen normal und begleite einen durch das gesamte Turnier, weiss Tirinzoni. Die Nervosität empfindet sie nicht als hinderlich, sondern als hilfreich, da sie wacher und fokussierter mache. Eine olympische Medaille wäre für ihr Team und sie ein absolutes Karrierehighlight.
Nach den Olympischen Spielen folgt direkt die Schweizer Meisterschaft, bei der sich das Team für die nächste Weltmeisterschaft qualifizieren will. Danach sollen neue Ziele definiert werden – vorerst jedoch liegt der volle Fokus auf Cortina d’Ampezzo.
Von Olivier Diethelm
Detaillierte Infos: www.ccaarau.ch
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