Yvette Körber
Frau Gemeineammann von Oberentfelden im Interview
Tobias Leuthard war von 2018 bis 2025 Gemeindeammann von Küttigen.
Bild: zvg
Eigentlich wollte er ja gar nie Ammann werden und nun schaut Tobias Leuthard auf zwei spannende und produktive Amtsperioden als Gemeindepräsident von Küttigen zurück.
Herr Leuthard, 2018 wurden Sie Gemeindepräsident und sind auf Ende 2025 zurückgetreten. Fiel es Ihnen schwer oder passt das so?
Das passt so wunderbar. Natürlich war der Abschied auch mit Schmerz verbunden, aber ich bin grundsätzlich ein Mensch, der nach vorne schaut und so freue ich mich auf das, was nun auf mich zukommt. Es war Zeit für mich, mit meiner Familie neue Wege zu gehen und ich freue mich auf einen weiteren spannenden Lebensabschnitt.
Was bleibt Ihnen aus Ihrer Zeit als Gemeindepräsident besonders in Erinnerung?
Gemeindepräsident ist ein sehr vielseitiger Job und ich habe immer gesagt: Gemeindepräsident zu sein ist nicht ein Job, sondern viele. So war ich Personalchef von über 60 Mitarbeitenden, Bauherr von Multimillionenprojekten, Moderator und Mediator, Gruss-wortüberbringer, Sorgenbarometer sowie manchmal auch Projektionsfläche für Ärger und Schuldzuweisungen. Keine dieser Aufgaben und Rollen möchte ich missen. Mit Herzblut habe ich mein Amt ausgeübt und ich bin dankbar für die Vielfalt an Erfahrungen, welche ich mitnehmen darf.
Was haben Sie an Ihrem Amt als Gemeindepräsident besonders geschätzt?
Gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Verwaltung ist es uns gelungen, eine positive Dynamik zu erzeugen. Erfolgreiche Exekutiv-Arbeit ist immer das Verdienst eines Kollektivs und basiert auf diesem harmonischen Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Öffentlichkeit. Ich bin der Meinung, dass es uns gelungen ist, dieses Zusammenspiel in den vergangenen Jahren effektiv und zielorientiert zu gestalten, was es ermöglichte, vielfältige Entwicklungen, Projekte und insbesondere das Wachstum unserer Gemeinde anzugehen und zu bewältigen. Wichtige Gelingensbedingungen waren dabei die Weiterentwicklung und Stärkung der Verwaltung, neu geschaffene strategische und konzeptionelle Grundlagen sowie der Einbezug der Bevölkerung.
Welche dieser Entwicklungen würden Sie hervorheben?
Natürlich werden mir die vielen Infrastruktur-Grossprojekte in Erinnerung bleiben; dazu gehören die Schulbauten, Strassenbauprojekte und insbesondere die Sanierung der Deponie im Ritzer mit der Umgestaltung der Sportanlage mit neuem Garderobengebäude. Nebst Infrastrukturprojekten investierte der Gemeinderat auch viel Energie in gesellschaftliche, kulturelle sowie umweltrelevante Themen. Dabei erinnere ich mich gerne an den Aufbau der familienergänzenden Tagesstrukturen, die Fachstelle Alter oder auch die Aktivitäten für das Label Energiestadt. Ein Herzensprojekt war und ist für mich das Jahrbuch, welches im kommenden Jahr zum dritten Mal erscheinen wird.
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Markus Knüsel?
Ich wünsche ihm, dass es ihm gelingt, die Stärken von Küttigen und die bestehende Dynamik zu erhalten und dass er auch gezielt eigene Akzente setzen kann.
Schauen wir auf das auslaufende Jahr zurück. Welche Ereignisse waren erfreulich?
Es war ein Jahr mit vielen Highlights: Wir durften unser Leuchtturm-Projekt, den neuen Mehrfachkindergarten einweihen. Das neue Mehrzweckgebäude auf Stock ist auf Kurs und trägt seit kurzem den Namen Musik- und Sportzentrum (Muspo). Und wiederum durften wir bei bestem Wetter Jugendfest feiern!
Wie entwickelt sich die finanzielle Situation in Küttigen?
Aktuell müssen wir den Steuerfuss erhöhen, um die hohen Investitionen zu finanzieren. Das Wachstum der Gemeinde wie auch das qualitative Wachstums unseres Steuersubstrats sollten dazu beitragen, dass wir weiterhin finanziell gesund bleiben. Allerdings bleibt zu beachten, dass die so genannten Transferkosten – Kosten welche die Gemeinden nicht selber beeinflussen können – stetig wachsen, was den Spardruck auf die beeinflussbaren Bereiche verstärkt.
Was hat den Gemeinderat 2025 gefordert?
Die wichtigsten Themen habe ich bereits erwähnt. Es war zudem das Ende der Legislatur, da gibt es immer noch verschiedene Aufräum- und Zusatzarbeiten. In diesem Sinne war der Arbeitsaufwand für alle Beteiligten ziemlich hoch.
Noch ein Wort zum Schluss? Ein Wunsch?
Ich würde mir wünschen, dass sich die Politik stärker den Fragen der Zukunftsgestaltung widmet; die Zukunft ist der Schlüssel, um sich auch mit den Gegenwartsproblemen gut auseinandersetzen zu können.
Interview: Olivier Diethelm
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