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Lucas Laverty und Gabriel Schmid entwickeln im Rahmen ihrer Maturarbeit die Online-Plattform www.holidayjob.ch zur Vermittlung von Ferien- und kurzfristigen Aushilfsjobs für Jugendliche.
Bild: Olivier Diethelm
Die beiden Kanti-Schüler Gabriel Schmid und Lucas Laverty entwickeln im Rahmen ihrer Maturaarbeit eine Online-Plattform zur Vermittlung von Ferienjobs für Jugendliche: Ein spannendes und vielversprechendes Projekt, das ein wahres Bedürfnis abdeckt.
Aarau Gabriel Schmid und Lucas Laverty, zwei Kantonsschüler aus Aarau, entwickeln die Online-Plattform www.holidayjob.ch, die Jugendlichen den Zugang zu Ferienjobs erleichtern soll. Obwohl Gabriel die Alte Kantonsschule und Lucas die Neue Kantonsschule Aarau besucht, arbeiten sie eng zusammen. Ihre Verbindung reicht zurück bis in die Bezirksschule und sie haben auch zusammen Fussball gespielt. Die Idee für ihr gemeinsames Projekt entstand jedoch aus ganz persönlichen Erfahrungen.
Gabriel erinnert sich gut an den Moment, der alles ins Rollen brachte: «Ich wollte letzten Sommer mit ein paar Kollegen etwas unternehmen und brauchte Geld.» Also begann er, nach einem Ferienjob zu suchen. «Ich habe überall herumgefragt, bei Kollegen und meinen Eltern, aber nichts Gescheites gefunden.» Am Ende half ihm sein Vater aus und gab ihm Arbeit im eigenen Betrieb. Doch die Frage blieb: Warum ist es eigentlich so schwierig, als Jugendlicher einen Ferienjob zu finden?
Auch Lucas kennt diese Situation nur zu gut: «Wir sind in einem Alter, in dem man Geld braucht, um etwas zu unternehmen oder in die Ferien zu gehen.» Gemeinsam wurde ihnen klar: Es fehlt eine einfache, zentrale Lösung. So entstand die Idee einer Plattform, die genau dieses Problem löst.
Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. «Am Anfang hatten wir kaum Know-how in Informatik oder Programmieren», erzählt Gabriel offen. Erste Versuche mit KI-Tools führten zu komplizierten Ergebnissen, die sie selbst kaum verstanden. «Wir hatten ein Konstrukt, das zwar irgendwie funktionierte, aber nicht wirklich unter unserer Kontrolle war.» Statt aufzugeben, suchten sie aktiv nach Unterstützung – in Online-Foren, bei Bekannten und über Kontakte. Schritt für Schritt arbeiteten sie sich ein, vereinfachten ihre Idee und bauten die Plattform neu auf.
Die Plattform richtet sich bewusst an Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren ohne abgeschlossene Lehre. Vermittelt werden vor allem einfache Tätigkeiten. Deshalb konzentrieren sich die beiden auf klassische Einstiegsjobs – etwa im Lager eines Grossverteilers oder an der Kasse im Schwimmbad. Für Gabriel ist der Fokus klar: «Es gibt viele Plattformen für Nebenjobs, aber wir wollen uns wirklich auf Ferienjobs und temporäre Einsätze konzentrieren.»
Ein sensibles Thema ist die Seriosität der Angebote. «Darüber haben wir uns viele Gedanken gemacht», sagt Gabriel. Dennoch sehen sie ihre Rolle klar als Vermittler. «Die Verträge entstehen zwischen den Jugendlichen und den Anbietern.» Um Vertrauen aufzubauen, setzen sie zunächst auf direkte Kontakte zu Unternehmen. Später könnten auch Privatpersonen Jobs ausschreiben.
Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Die Plattform ist seit wenigen Wochen online und wird laufend weiterentwickelt. «Technisch ist noch viel Luft nach oben», gibt Gabriel zu. Zunächst konzentrieren sie sich auf die Region Aarau. «Wenn es hier gut funktioniert, wollen wir schweizweit expandieren.» Gleichzeitig denken sie bereits über neue Möglichkeiten nach – etwa die Vermittlung von Nachhilfe oder Projekten. Die Idee entwickelt sich stetig weiter.
Bekannt machen sie ihre Plattform vor allem dort, wo ihre Zielgruppe ist: in der Schule und online. «Wir erzählen es Kollegen, nutzen Displays an unseren Schulen und posten in den sozialen Medien», sagt Lucas. Auch Unternehmen wurden direkt angeschrieben. Besonders wichtig ist ihnen dabei die Benutzerfreundlichkeit: «Die Seite soll einfach funktionieren – ohne Hürden», betont Gabriel.
Rückblickend war der Weg lehrreicher als erwartet. «Ich dachte, es geht schneller», gibt Lucas ehrlich zu. Doch gerade die Herausforderungen hätten ihnen viel gebracht. «Wir haben nicht nur viel über Webentwicklung gelernt und wie man sich Hilfe verschafft, sondern auch, wie man auf Unternehmen zugeht und mit ihnen in Kontakt tritt», sagt Gabriel. Für beide ist das Projekt ein erster Einblick in unternehmerisches Denken – echtes Lernen fürs Leben.
Anderen Schülerinnen und Schülern würden sie vor allem eines raten: früh planen – und trotzdem einfach anfangen. «Ein klarer Plan, was wir genau wollen, hätte uns geholfen», meint Gabriel. Gleichzeitig sei es wichtig, nicht aufzugeben: «Wir waren zwischendurch frustriert, aber man muss dranbleiben.» Das positive Feedback von anderen Jugendlichen motiviert sie zusätzlich. «Viele sagen, genau so etwas habe gefehlt», erzählt Lucas. Auch Unternehmen zeigen Interesse, ermuntern die beiden und verfolgen gespannt, wie es weitergeht.
Auch wenn die Arbeit im Herbst abgeschlossen sein muss, ist für die beiden klar: Das Projekt endet nicht dort. «Wir machen weiter», sagt Lucas überzeugt. Für Gabriel steht der eigentliche Antrieb fest: «Wir wollen etwas schaffen, das anderen hilft.» Jugendlichen den Zugang zu Ferienjobs zu erleichtern – das ist für sie mehr als ein Schulprojekt. Es ist eine Idee mit Zukunft.
Von Olivier Diethelm
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