Ramona Härdi
Die Olympionikin wurde in Möriken-Wildegg feierlich empfangen.
Sie laden ein zum nächsten Café Totentanz am 31. Oktober (v. l.): Hildegard Matt, Carine Gremiger-Schibli und Laurene Schärer. Bild: Olivier Diethelm
Das Café Totentanz in Aarau steht allen offen, die sich in ungezwungenem Rahmen und ganz wertneutral über verschiedenste Themen rund um die Endlichkeit austauschen möchten. Sterben gehört nun mal zum Leben dazu und ist leider in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema.
Aarau Obwohl jeder Mensch eines Tages das Zeitliche segnen wird, ist der Tod in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Hilflosigkeit, Verzweiflung und auch Ängste, etwa einen geliebten Menschen zu verlieren, lassen einen die Gedanken über den Tod verdrängen – das Sterben wird regelrecht totgeschwiegen. Und doch kann man dem Tod seine Schwere und seinen Schrecken nehmen, indem man offen über ihn redet und ihn zu einem Teil der Gesellschaft macht, anstatt ihn zu tabuisieren.
Das Café Totentanz in Aarau bietet die Möglichkeit, sich in einem ungezwungenen Rahmen und ganz wertneutral über verschiedenste Themen rund um die Sterblichkeit auszutauschen. Die drei Gastgeberinnen Laurene Schärer, Hildegard Matt und Carine Greminger Schibli initiierten das Café Totentanz im Frühling 2025 und haben es schon zwei Mal erfolgreich mit jeweils rund 20 Teilnehmenden durchgeführt.
Die drei Gastgeberinnen kommen alle aus den Bereichen Palliative-Care Freiwilligenarbeit und Trauerbegleitung. «Wir sind aber keine Trauerrunde, sondern eine offene Gesprächsrunde mit einer breiten Themenauswahl, auch was sich von den Teilnehmenden her alles ergibt», betont Laurene Schärer.
So sei bei den ersten beiden Veranstaltungen im Frühling etwa über die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Sterben und dem Tod diskutiert worden und eine Teilnehmerin mit asiatischen Wurzeln habe sehr spannend die Sichtweisen aus dem Buddhismus aufgezeigt. Weiter fanden auch Themen wie die Sterbehilfeorganisation EXIT, Patientenverfügungen, Loslassen im Allgemeinen oder der Suizid Platz im Austausch. Oder wie man am besten mit seinem Enkel über den bevorstehenden Tod des Grossvaters redet.
Das Café Totentanz ist konfessionslos und steht allen offen – einfach vorbeikommen, wenn man Zeit und Lust hat. Anmelden muss man sich nicht. Es kommen jüngere und ältere Teilnehmende, auch zu zweit oder Paare – das ergibt einen bunten Mix und viel Gesprächsstoff. Allerdings ist niemand verpflichtet, etwas zu sagen, man darf auch einfach nur dabei sein und zuhören. «Bis jetzt haben sich aber alle an den spannenden Diskussionen beteiligt und trotz der teils schweren Themen hat auch Humor immer Platz», ergänzt Carine Greminger Schibli. «Wir moderieren die Runden und geben Impulse. Wir verfolgen aber keinen therapeutischen Ansatz und erteilen auch keine Ratschläge.» Nach der Begrüssung gibt es eine kleine Vorstellungsrunde und eine kurze Einleitung. Die Aufteilung in drei Gruppen erlaubt eine intensivere Diskussion. Kaffee, Tee und Kuchen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Anschliessend gibt es eine Schlussrunde. Dass man das Gehörte vertraulich behandelt, sollte selbstverständlich sein.
Der Soziologe Bernard Crettaz (1938-2022), der das Thema Sterben erforscht hat, rief 2004 in Neuenburg das erste «Café Mortel» ins Leben, um den Teilnehmenden zu ermöglichen, über das Tabuthema Tod und Endlichkeit zu diskutieren. Jon Underwood, ein britischer Webentwickler, liess sich von Crettaz' Arbeit inspirieren und führte 2011 das sogenannte «Death Café» in London ein. Anschliessend entwickelte er die «Death Café»-Website und erarbeitete gemeinsam mit seiner Mutter, der Psychotherapeutin Susan Barsky Reid, Richtlinien und das Konzept wurde weltweit populär.
«Wir haben lange diskutiert, wie wir unser Café nennen wollen. Für uns passte der englische Begriff ‹Death Café› nicht so ganz. Auf Café Totentanz sind wir wegen der Freske von Felix Hoffmann am Obertorturm in Aarau gekommen, welche einen Totentanz zeigt und schön repräsentiert, was wir eigentlich wollen – nämlich den Tod ins Leben holen, denn sie sind miteinander verbunden», so Laurene Schärer.
Olivier Diethelm
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