Yvette Körber
Frau Gemeineammann von Oberentfelden im Interview
Im Gespräch spricht die Gemeindepräsidentin von Erlinsbach SO über finanzielle Engpässe, gemeinsame Synergien mit dem Aargauer Nachbarn und zentrale Vorhaben, welche die Gemeinde in den kommenden Jahren prägen sollen.
Madeleine Neumann, Sie wurden dieses Jahr als Gemeindepräsidentin bestätigt. Ein Vertrauensbeweis der Bevölkerung?
Ja, das gute Wahlresultat hat mich sehr gefreut und ich empfinde es als Vertrauensbeweis.
Welche Lehren ziehen sie konkret aus dem letzten Jahr?
Dass der Gemeinderat mit guter Information, Offenheit und Sachlichkeit eine grosse Zustimmung in der Bevölkerung für unsere Anträge findet.
Gibt es auch Tatsachen, die letztes Jahr Zähneknirschen verursachten?
Dass der Wiederaufbau des Löwen noch nicht weiter ist. Jedoch ist das Baugesuchsverfahren nun einen Schritt weiter.
Apropos «Zähneknirschen»: An der Gemeindeversammlung wurde eine Steuererhöhung bewilligt – auf künftig 110 %. Wo drückt finanziell konkret der Schuh in Erlinsbach SO? Und werden in Zukunft also weitere Erhöhungen von Nöten sein?
Die steigenden Kosten in den Bereichen Gesundheit und Soziale Wohlfahrt setzen allen Gemeinden im Kanton SO stark zu. Diese Mehrkosten entsprechen rund 3,5 Steuerprozenten. Der Minderertrag bei den Gemeindesteuern aufgrund des angenommenen Gegenvorschlages zur Steuerinitiative «jetzt send mer draa» beträgt nochmals 3,5 Steuerprozente. Das sind Auswirkungen unserer Gesellschaft, diese können wir nicht direkt steuern. Die Mehrkosten bei der Bildung hingegen sind hausgemacht. Die laufenden Schulbauprojekte belasten mit Abschreibungen von rund 3 %. Diese Investitionen sind jedoch notwendig und wir erhalten dafür auch einen Gegenwert. Mit der Planung von neuem Wohnraum rechnen wir mit neuen Steuerzahlern in unserer Gemeinde. Der Wohnungsmarkt ist bei uns aktuell ausgetrocknet und die Nachfrage gross.
Erlinsbach AG lehnte eine Erhöhung des Steuerfusses ab und blieb bei 89 % - haben die Aargauer eine andere Ausgangslage?
Ja, Erlinsbach AG verfügt über ein viel höheres Eigenkapital und weist auch eine höhere Steuerkraft aus. Zudem lassen sich Gemeindesteuerfüsse über die Kantonsgrenze hinweg nicht eins zu eins vergleichen.
Früher waren sich die beiden Erlinsbach noch weniger wohlgesonnen – nutzt man heute gemeinsame Synergien und arbeitet eng zusammen?
Das war noch sehr viel früher. Auf die Zusammenarbeit unserer beiden Gemeinden dürfen wir stolz sein, diese ist in beiden Kantonen einzigartig. Schulen, Feuerwehr, Alterszentrum, Bauamt, Fussballplatzanlage, Mehrzweckhalle, Kehrichtentsorgung, Tagesstrukturen, Jugend-, Kulturkommission und noch vieles mehr führen wir zusammen. Die notwendigen Investitionen dazu tragen wir gemeinsam. Dies wirkt sich positiv auf die Entwicklungsmöglichkeiten unser beider Gemeinden aus.
Beim «Zentrum»-Areal hinter dem Volg ist eine Überbauung geplant – wie sieht hier der Fahrplan aus?
Dazu läuft ein Studienauftrag mit vier beauftragten Architekturunternehmen. Anfangs Mai wird die Schlussbeurteilung der eingereichten Projektstudien vorgenommen. Ich bin sicher, dass dies ein wichtiges Zukunftsprojekt für unsere Gemeinde wird.
Welche Projekte möchten Sie in Ihrer Amtszeit vorantreiben?
Den Abschluss der Ortsplanungsrevision, die Realisierung der Überbauung Zentrum – und es wird noch einiges dazu kommen.
Haben Sie persönliche Wünsche für die Gemeinde im Jahr 2026?
Dass wir von schlimmen Ereignissen verschont bleiben.
Interview: Joel Dreier
Lade Fotos..